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Zäh, sehr zäh ...

The fleet position themselves for the start of leg 7 from Miami, USA to Lisbon, Portugal, during the Volvo Ocean Race 2011-12. (Credit: Paul Todd/Volvo Ocean Race)
Start Leg 7 - Miami to Lisbon, Ocean Race 2011-12 - Photocredit: Paul Todd/Volvo Ocean Race

21.05.2012 - “Ohne Wind ist Segeln fast so blöd wie Angeln!” meinte mal einer an Bord der SailingAnarchy.de während eine Flautenregatta auf der Unterhavel. Der Start der 7. Etappe beim Volvo Ocean Race gestern vor Miami zeigte wieder, welches Probleme Segeln als Sportart für die in die Berichterstattung eingebundenen Medien bereit hält: Ohne Wind keine Aktion, ohne Aktion keine Spannung, ohne Spannung keine Aufmerksamkeit beim Zuschauer, Langeweile macht sich breit und ruckzuck wird die Fernbedienung oder die Computermaus zum Scharfrichter über eine seit Jahren vorbereitete Veranstaltung.

Team Sanya's Cameron Dunn from New Zealand, looks for wind up the mast, at the start of leg 7 from Miami, USA to Lisbon, Portugal, during the Volvo Ocean Race 2011-12.  -Credit: Paul Todd/Volvo Ocean Race)
Team Sanya at the start of leg 7 Photocredit: Paul Todd/Volvo Ocean Race

Unter ihren riesigen Code Zero Vorsegeln quälten die gestern die 6 VO70 mit müden 2,3 kns Geschwindigkeit über Regattabahn vor Miami und vermittelten den Zuschauer vor Ort oder vor den Bildschirmen einen Eindruck von den nervtötenden Bedingungen an Bord der Rennyachten während einer Passage der Doldrums. Mit dem Eintauchen in den Golfstrom kam endlich etwas Leben ins Renngeschehen und Ian Walker profitierte mit ABU DHABI Offhore Racing als erster von der Nordströmung.

 

Volvo Ocean Race - In-port Race Miami

 

19.05.2012 - ABU DHABI gewinnt das Miami In-port Race vor GROUPAMA! Mehr in dem Video oder auf der VOR Site.

 

 

Volvo Ocean Race - In-port Race Miami

PUMA Ocean Racing powered by BERG, skippered by Ken Read from the USA, wiN the award for 1st place for leg 6 of the Volvo Ocean Race 2011-12, at the Prize Giving Ceremony in Miami, USA., during the Volvo Ocean Race 2011-12. (Credit: PAUL TODD/Volvo Ocean Race)
PUMA Ocean Racing powered by BERG - Preisverleihung Miami -  Photocredit: PAUL TODD/VOR

19.05.2012 - In wenigen Stunden wird das Inport race Miami zum Auftakt der 7. Etappe des Volvo Ocean Race angeschossen. Im Rahmen einer großen Strandparty haben die VOR Teams heute die Chance, weitere Punkte für die Gesamtwertung einzufahren.

Mike Sanderson helming as Team Sanya sail their Volvo Open 70 from Savannah to Miami for the PORTMIAMI In-port Race and the start of leg 7, during the Volvo Ocean Race 2011-12. (Credit: PAUL TODD/Volvo Ocean Race)
Mike Sanderson helming as Team Sanya sail their VO70 from Savannah - Photocredit: PAUL TODD/VOR

Wieder mit am Start dabei ist das chinesisch-irische Team SANYA, welche nach seinem  Ausscheiden während der 5. Etappe von Auckland nach Itajai per Decksfracht in  Savannah eingetroffen war. Nach dem die Reparaturen am Rumpf und Ruder durchgeführt abgeschlossen sind, drücke ich dem Underdog Team um Skipper Mike Sanderson die Daumen, dass es den Sprung über den Atlantik nach Lissabon ohne Bruch übersteht.

Klicken und zum Livestream In-port Race Miami
Klicken und zum Livestream In-port Race Miami

 

AC 45 World Series in Venedig

 

17.05.12 - Ich fremdle weiterhin mit Multihulls und Wings für den Americas Cup, aber trotzdem freue mich trotzdem über die Bilder vom dem 2. Stop der ACWS in Italien. Das die österreichische Gummibärchenbrause die AC45 Jugendtruppe nun als Hauptsponsor zum Fliegen bringt, prima! Besser als wenn das Geld in “wir fahren im Kreis rum und nennen das Motorsport!” investiert wird.

 

Turkish Delight - Nachschlag!

Farr 25 OneDesign in Istanbul - Photocopyright: Raoul V. Kübler
Farr 25 OneDesign in Istanbul - Photocopyright: Raoul V. Kübler

11.05.2012 - Hier der angekündigte 2. Teil des Segeltest der Farr 25, den Anarchist Raoul für uns in Istanbul durchgezogen hat. Viel Spaß und es wäre doch schön, wenn jemand aus der Anarchistenschar sein Scheckbuch zücken würde und angesichts von EZB, Portugal, Spanien und Griechenland! in Sachwerte investiert und das interessante Boot nach Deutschland bringt.

Sükrü Sanus, der Kopf hinter dem Projekt, hat für die Türkei an den 96er Spielen in Atlanta im 470er teilgenommen. Nach Ausflügen in den Drachen und IMS-Segelei wollte er sich noch einmal ein richtiges Boot gönnen. Das Ergebnis langer Gespräche und Diskussionen mit Farr Yacht Design liegt nun unter mir. Sükrü betont, dass man anfangs nur einen einzigen Rumpf für private Zwecke bauen wollte. Der Erfolg, der Raki, das Interesse und so weiter... Kurzum, man macht das jetzt angeblich als Hobby nebenher. Schön, dass es noch solche Altruisten gibt. Entsprechend dem Eigenbedarfsgedanken sind auch die größeren Komponenten der Farr25 hochklassig. Ein komplettes 1-Saling Carbon Rigg von Southern Spars und anstelle eines günstigen Ruders am Heck wurde analog zur Platu ein durch das Deck gehendes Ruder verbaut. Das System kommt von Jefa und sollte also allen Zweifeln enthoben sein. Die Rollfock basiert auf einem Furlersystem von Karver. Ein Grund mehr für den hohen Kaufpreis!

Farr 25 OneDesign - Fockroller - Photocopyright: SailingAnarchy.de
Farr 25 OneDesign - Fockroller - Photocopyright: SailingAnarchy.de

Analog zur Platu befindet sich am Heck auf Steuerbord eine Klappe für den Motor, der durch den Rumpf durchgesteckt wird. Hierbei hat Farr Yacht Design allerdings die Aufhängung und Halterung, die den Motor aus der Box ins die Horizontale schwenkt überabreitet und verbessert. Anstelle des Stahlbügels kommt nun eine hydraulische Schwenkachse zum Einsatz, die deutlich an Gewicht spart und den Bedienung auch komfortabler macht.

Farr25 OD - Motor-Rendering - Photocopyright: OC Yachtcilik
Farr25 OD - Motor-Rendering - Photocopyright: OC Yachtcilik

Schon durch die vielen Features hebt sich die Farr25 deutlich von Ihren vermuteten Geschwistern ab. Dem hohen Preis (segelfertig 50-60k Euro je nach Konfiguration und Ausstattung) steht somit auch ein bleibender Wert entgegen. Es bleibt allerdings die Frage, ob das auch die große Verbreitung und die hochklassigen Felder einer Platu oder einer Melges kompensieren kann. Erstmal nein würde ich sagen. Der Spass beim „Um-die-Tonnen-segeln“ ist nun mal abhängig von der Anzahl der Konkurrenz und deren Niveau, gerade im One-Design Bereich. Da tritt die Farr25 ein schweres Erbe an. Gebaut sind momentan 8 Boote, davon segeln 4. Weitere Interessenten gibt es zwar, aber die Aussicht auf eine Flotte jenseits der 250 Boote bleibt wohl ein Traum aus TausendundeinerNacht.

Trotzdem lohnt sich ein zweiter Blick, denn im Gegensatz zu Melges und Platu verfügt die Farr25 über eine Safety Category B Zertifizierung. Damit kann das Boot immerhin an küstenahen Regatten und Mittelstrecken teilnehmen, Dioden-Posis im Bugkorb erlaubt Nachtsegeln, ebenso ist ein Frischwassertank mit 45 Litern an Bord. Der spartanische Kajütausbau gestattet die Andeutung eines Wachsystems, so dass im norddeutschen Raum auch Regatten wie das Fyn-Rundt, der Blue Ribbon Cup oder ähnliches denkbar sind. In Absprache mit dem Veranstalter selbstverständlich!
Ein Blick auf die Gewichts- und Ballastverteilung zeigt auch, dass das Boot deutlich steifer und dankbarer zu segeln ist als eine Melges oder eine Platu. Farr schreibt so schön, dass das mühevolles Hängen sobald der Bug in Richtung Wind zeigt, Geschichte sei. Ein Plus, wenn man an lange Kreuzschläge jenseits der 10 Meilen Distanz denkt. Nur ungern würde ich meine Crew für mehr als 2 Stunden im Draht einer Melges hängen lassen. Gehangen wird zwar bei der Farr25 auch, aber der 1,80 Meter tiefe Kiel und ein höhere Gewichtsanteil dort unten helfen kräftig nach und versprechen dem Magen- und Darmtrakt der Crew eine deutliche Entlastung. Aus meiner Sicht ist die Farr25 damit eine Alternative für den Eigner, der kompetativ im Handicap Bereich segeln will und der sich nicht scheut, seine Crew auch mal jenseits der Strander Bucht auszuführen.

 

Nach langem Warten bekomme ich dann endlich auch die Chance das Boot zu segeln. Mit einer 5er Crew geht es hinaus aufs stürmische Marmara-Meer. Der Wind liegt im Mittel bei 20 Knoten aus Südwest. Tolle Bedingungen, da sich so eine 2,5 bis 3 Meter Welle über die ganze Länge dieses Mittelmeerboddens ausgebreitet hat. Etwas stolperig bewege ich mich anfangs übers Boot und schäme mich schon fast ein bisschen. Irgendwann wird mir dann auch noch die Großschot abgenommen und das Steuer aufgedrängt! Super, dass ich mich jetzt nur noch blamieren kann! Denkste! Das Boot liegt trotz der verschärften Bedingungen wunderbar auf dem Ruder. Gut, der Großschotrimmer, der für mich die ganze Arbeit erledigt, gehört zur aktuellen türkischen Farr40/TP52 Kampagne und macht mir das Leben deutlich leichter. Aber nichts desto Trotz, dass Boot lässt sich angenehm und einfach steuern. Die angeschlagenen North Sails sind gewohnt gut und so kreuzen wir gegen die Welle Richtung Prinzeninseln. Via Zeichensprache und unter Einsatz von Händen und Füssen wird dabei kommuniziert. Sollte der Wind durchhalten, dürfte die Kreuz ca. 6 Wenden und 60 Minuten dauern. Als Belohnung winkt ein ordentlicher Down durch die Wellen. Klasse, dass ich nur meine Posh-Leder-Sneaker von der Uni an habe! Immer wieder verquatsche ich mich und lass deshalb den Bug kräftig in die Welle krachen. Dabei fällt mir auf, dass sich das Boot trotz dieser Steuerfehler nicht in der Welle festbeißt, wie es gerne mal bei der Platu 25 passiert.

Nach der Kreuz dann die Kür: 64 m² Genacker gehen hoch! Wir ballern los!! Obwohl ich erst einmal anlässlich Wind und Welle kräftig den Stift quer sitzen habe, wird man Dank des gut ausbalancierten Schiffs schnell mutig und luvt behände an. Jedes Grad wird dabei mit Geschwindigkeitszuwachs belohnt. Top-Speed die Welle runter lag laut Regatta-App auf dem iPhone bei 17,2 Knoten,  Top-Speed der Türken bisher bei über 18 Knoten. Nicht so schlecht, oder? Die erste Halse versemmel ich, mein beherztes Luven drückt uns gleich mal auf dem neuen Bug in die Sonne. Während ich noch über mich fluche, bin ich erstaunt, wie wenig passiert. Schot auf, dreimal an der Pinne gerissen und wir fahren schon wieder aufrecht weiter. Nicht so schlecht, wenn ein Boot bei dem Wind immer noch idiotensicher ist! Leider nimmt der Wind mit der Zeit auch ab, so dass wir nicht mehr richtig los fahren können. Am Ende dann noch der Vergleich mit der neuen First 40. Downwind fahren wird eine Zeit gut mit, aber irgendwie bin ich noch zu sehr im Wintermodus. Die Jungs kommen schneller in die Tiefe und sind am Ende vor uns in der Hafeneinfahrt. Trotzdem, dafür dass wir deutlich kürzer sind, sind die 2 Minuten Vorsprung ok!

 

Klar Schiff dauert in der Box auch nicht lange, Wasser im Boot? Fehlanzeige. Trotz einigen feuchten Surfs und dem Ausflug in die Sonne ist die Kajüte trocken. Schnell wird alles verstaut und wir machen uns ab in die lokale Hafenkneipe. Während der Rest der Crew sich an einem türkischen Tee wärmt, kommen wir weiter ins Gespräch. Die europäische Krise hat den Absatz etwas gedämpft, dass Boot ist interessant, aber nicht lukrativ. Nichts desto Trotz ist man auf der Suche nach Vertriebspartnern, gerade auch für den deutschen Raum. Gerne jemanden, der das Boot in seine Vertriebsstruktur einbindet und aktiv vermarktet, sicherlich keine falsche Wahl und Idee. Trotz meiner anfänglichen Zweifel begeistert einen die Farr25 schnell. Das Design ist den älteren Sportbooten an Segelkomfort und Performance deutlich überlegen. Qualität, Ausrüstung und Anspruch genügen dem großen Namen des Designers und garantieren Segelspaß  über eine lange Lebensdauer. Dass das Design auch als Handicap-Boot erfolgreich ist, zeigen die ausgelieferten Boote: Rumpf Nummer 1 gewann in den letzten beiden Saisons jede Menge Silber, Baunnumer 2 gewann in 2011 die türkischen IRC Meisterschaften gegen gut gesegelte Melges und Platus. Baunummer 3 wurde nach Australien verschifft und gewann dort ebenso die Sportbootmeisterschaften. (Anm. vom Ed: Da bin ich mir nicht sicher, ob Raoul das Türkische nicht einen Streich gespielt hat)

Für mich bietet das Boot einen persönlichen Charme und Reiz jenseits der klassischen Up and Down Regatten. Für vernünftiges Geld wird einem hier eine kleine „Mittelstrecken“-Rakete geboten, deren Konzept ausgereift und beständig ist. Im Gegensatz zu größeren Big-Boat Kampagnen reicht ein überschaubarer Crewpool aus, entsprechend klein sind die laufenden Kosten für eine Regattakampagne. Dazu ist das Boot auch noch trailerbar und somit zwischen Gardasee und Nordkap bequem und variabel einsetzbar. Und wer weiß, vielleicht wird die kleine Farr25 OD ihrem großen Namen gerecht und etabliert sich nebenbei noch mit eine ansehnlichen Klassengröße! Weitere Infos zum Boot und Kontakt zum Hersteller am einfachsten über dessen Website.

 

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